Immobilien-Entscheidung
Ergebnis nach 15 Jahren
Beide Wege liegen fast gleichauf
Der Unterschied beträgt rund 12.000 €
Immobilienwert abzüglich Restschuld, plus angespartes Kapital
Angelegtes Eigenkapital plus monatlich gesparte Differenz
Kaufen
Mieten
Womit der Mieter sein Eigenkapital und die gesparte Differenz anlegt.
Vereinfachtes Modell. Nicht berücksichtigt sind Steuern auf Kapitalerträge, Umzugs- und Maklerkosten beim späteren Verkauf, Sondertilgungen, ein Zinswechsel nach der Zinsbindung sowie nicht umlagefähige Nebenkosten wie das Hausgeld. Die Zukunftsannahmen zu Wertsteigerung, Mietsteigerung und Rendite sind Schätzungen und keine Prognose. Unverbindliche Orientierung, keine Anlageberatung.
Ob sich Mieten oder Kaufen lohnt, lässt sich nicht am Vergleich von Monatsrate und Miete ablesen. Entscheidend ist, wer nach 10, 20 oder 30 Jahren mehr Vermögen hat. Dafür zählen fünf Größen: die Kaufnebenkosten, der Sollzins, die Instandhaltung, die erwartete Wertsteigerung der Immobilie und die Rendite, die der Mieter mit seinem nicht gebundenen Eigenkapital erzielt. Der Rechner oben stellt beide Wege gegenüber und zeigt, welcher am Ende vorne liegt.
Die verbreitetste Rechnung lautet: Die Kreditrate beträgt 1.400 Euro, die Miete 1.200 Euro, also ist Mieten günstiger. Diese Rechnung ist falsch, und zwar in beide Richtungen.
Sie übersieht zunächst, dass ein Teil der Rate keine Ausgabe ist, sondern Vermögensaufbau. Der Tilgungsanteil wandert nicht zur Bank, sondern verringert die Schuld und erhöht damit das Eigentum am Haus. Nur der Zinsanteil ist tatsächlich weg, vergleichbar mit der Miete.
Sie übersieht aber auch die andere Seite. Der Käufer bindet sein gesamtes Eigenkapital in einer Immobilie. Der Mieter kann dieses Geld anlegen und erzielt darauf eine Rendite. Bei 80.000 Euro Eigenkapital und fünf Prozent Rendite sind das über 15 Jahre allein aus dem Startkapital rund 166.000 Euro. Wer das unterschlägt, rechnet den Kauf systematisch schön.
Ein fairer Vergleich stellt deshalb das Nettovermögen gegenüber. Auf der Kaufseite: Immobilienwert minus Restschuld. Auf der Mietseite: das angelegte Eigenkapital plus alles, was der Mieter monatlich zusätzlich sparen konnte. Genau so rechnet der Rechner oben.
Sie sind der größte Nachteil des Kaufens und werden oft unterschätzt. Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Maklerprovision summieren sich je nach Bundesland auf 8 bis 15 Prozent des Kaufpreises. Bei 400.000 Euro sind das 32.000 bis 60.000 Euro, die sofort verloren sind. Dieses Geld erscheint in keinem Immobilienwert wieder. Es ist der Grund, warum ein Kauf sich bei kurzer Haltedauer fast nie rechnet.
Der Zins bestimmt, wie viel von der Rate wirklich verloren geht. Bei einem niedrigen Zins ist der Zinsanteil klein, der Vermögensaufbau läuft schnell. Bei einem hohen Zins zahlen Sie über Jahre große Summen an die Bank, ohne dass Ihr Anteil am Haus nennenswert wächst. Schon ein Prozentpunkt Unterschied verschiebt das Ergebnis über 20 Jahre um einen sechsstelligen Betrag.
Ein Kostenblock, den Mieter nicht kennen. Als Eigentümer tragen Sie Dach, Heizung, Fenster und Fassade selbst. Als Faustregel gelten ein bis 1,5 Prozent des Immobilienwerts pro Jahr, bei 400.000 Euro also 4.000 bis 6.000 Euro jährlich. Wer diesen Posten weglässt, rechnet unrealistisch.
Der größte Hebel zugunsten des Kaufs, zugleich der unsicherste. Steigt die Immobilie jährlich um zwei Prozent, ist ein Objekt für 400.000 Euro nach 15 Jahren rund 538.000 Euro wert. Stagniert der Markt, entfällt dieser Gewinn vollständig. Niemand kann die Wertentwicklung über Jahrzehnte vorhersagen, deshalb sollten Sie diese Annahme im Rechner bewusst konservativ und einmal pessimistisch durchspielen.
Der spiegelbildliche Hebel zugunsten des Mietens. Je höher die Rendite, die der Mieter mit seinem Kapital erzielt, desto attraktiver wird das Mieten. Bei sieben Prozent statt fünf Prozent kippt so mancher Vergleich. Auch hier gilt: Die Annahme ist eine Schätzung, keine Garantie.
Ein Paar überlegt, eine Wohnung für 400.000 Euro zu kaufen. Es hat 80.000 Euro Eigenkapital. Die Kaufnebenkosten liegen bei zehn Prozent, der Sollzins bei 3,5 Prozent, die Tilgung bei zwei Prozent. Die Alternative wäre eine vergleichbare Mietwohnung für 1.200 Euro kalt.
Nach Abzug der 40.000 Euro Nebenkosten bleiben nur 40.000 Euro für den Kaufpreis übrig. Das Darlehen beträgt also 360.000 Euro, die Monatsrate rund 1.650 Euro. Dazu kommt die Instandhaltung mit etwa 330 Euro monatlich.
Rechnet man mit zwei Prozent Wertsteigerung, zwei Prozent Mietsteigerung und fünf Prozent Rendite, liegen beide Wege nach 15 Jahren fast gleichauf. Der Käufer kommt auf rund 320.000 Euro Nettovermögen, der Mieter auf rund 332.000 Euro. Die Entscheidung fällt dann nicht über die Zahlen, sondern über andere Kriterien.
Ändert man eine einzige Annahme, kippt das Bild. Kostet die Mietwohnung 1.600 statt 1.200 Euro, liegt der Kauf plötzlich rund 108.000 Euro vorn. Nimmt man stattdessen null Prozent Wertsteigerung und sieben Prozent Rendite an, gewinnt die Miete mit über 200.000 Euro Abstand. Genau diese Sensibilität macht den Rechner wertvoll: Er zeigt nicht die eine Wahrheit, sondern wie stark das Ergebnis von den Annahmen abhängt.
Wegen der hohen Kaufnebenkosten braucht ein Kauf Zeit, um sich zu amortisieren. Wer nach fünf Jahren wieder verkauft, hat die 40.000 Euro Nebenkosten meist nicht wieder hereingeholt und zahlt beim Verkauf womöglich erneut eine Provision.
Als grobe Orientierung gilt: Unter zehn Jahren Haltedauer ist ein Kauf selten sinnvoll. Ab 15 bis 20 Jahren beginnt sich das Bild zugunsten des Eigentums zu drehen, weil die Tilgung wirkt und die Nebenkosten sich über die Jahre verteilen. Wer beruflich flexibel bleiben muss oder mit einem Umzug rechnet, fährt mit der Miete meist besser.
Zahlen sind nur die eine Hälfte der Entscheidung. Mehrere Punkte lassen sich kaum in ein Modell pressen:
Der Kauf hat die besseren Karten, wenn mehrere dieser Punkte zusammenkommen: Sie bleiben mindestens 15 Jahre, Sie bringen ausreichend Eigenkapital mit, um zumindest die Nebenkosten und einen Teil des Kaufpreises zu decken, die Miete für eine vergleichbare Wohnung ist hoch, die Zinsen sind moderat, und der Standort hat eine solide Perspektive.
Ein guter Indikator ist der Kaufpreisfaktor, also Kaufpreis geteilt durch die Jahreskaltmiete. Liegt er unter 25, ist der Kauf tendenziell attraktiv. Werte über 30 bedeuten, dass Sie sehr viel für ein Objekt zahlen, das relativ wenig Mietwert hat. In vielen deutschen Großstädten liegt der Faktor inzwischen bei 30 oder darüber.
Für die Miete spricht ein kurzer oder unsicherer Zeithorizont, wenig Eigenkapital, ein hohes Zinsniveau und eine im Verhältnis zum Kaufpreis günstige Miete. Auch wer die Differenz konsequent anlegt und mit dem Risiko am Kapitalmarkt leben kann, steht am Ende oft nicht schlechter da.
Entscheidend ist die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Der rechnerische Vorteil des Mietens existiert nur, wenn das Geld tatsächlich investiert und nicht ausgegeben wird.
Neben der Vermögensfrage steht die schlichte Machbarkeit. Als Richtschnur sollte die monatliche Rate nicht mehr als 35 Prozent des Nettohaushaltseinkommens verschlingen. Bei 5.000 Euro netto sind das etwa 1.750 Euro. Dabei ist die Instandhaltung noch nicht mitgerechnet, weshalb viele Haushalte am Ende enger kalkulieren müssen als gedacht.
Wichtig ist außerdem ein Puffer. Wer jeden Euro in die Rate steckt, hat bei einer defekten Heizung oder einem Jobwechsel keine Reserve. Drei bis sechs Monatsausgaben sollten auch nach dem Kauf noch auf dem Konto liegen. Eine Finanzierung, die nur bei perfekten Bedingungen aufgeht, ist keine gute Finanzierung.
Ein zweiter Punkt betrifft das Ende der Zinsbindung. Läuft der Zins nach zehn Jahren aus, bleibt in der Regel eine erhebliche Restschuld, die zu den dann gültigen Konditionen neu finanziert werden muss. Prüfen Sie deshalb im Rechner auch, wie sich das Ergebnis bei einem höheren Zins entwickelt. Wer diese Belastung nicht tragen könnte, sollte die Anfangstilgung erhöhen oder eine längere Zinsbindung wählen.
Rechnen Sie konservativ. Eine Annahme im Bereich der Inflation ist realistischer als eine Fortschreibung vergangener Boomjahre. Spielen Sie zusätzlich ein Szenario mit null Prozent durch, um zu sehen, wie robust Ihre Entscheidung ist.
Mindestens die Kaufnebenkosten sollten aus eigener Tasche kommen, besser zusätzlich 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises. Je mehr Eigenkapital, desto günstiger der Zins und desto geringer das Risiko.
Nein. Er zeigt, was aus Ihren Annahmen folgt. Weil niemand Zinsen, Mieten und Immobilienpreise über Jahrzehnte kennt, sollten Sie mehrere Szenarien durchspielen statt nach dem einen Ergebnis zu suchen.
Nutzen Sie den Rechner oben, um Ihre eigenen Zahlen einzusetzen und die Annahmen bewusst zu variieren. Sie werden schnell sehen, an welchen Stellschrauben Ihre Entscheidung wirklich hängt.
Redaktion
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